Linksys Velop Mesh-System

Macbook, iPhone, iPad, AppleTV, DigitRadio, PS4, und und und… immer mehr Geräte sind in den eigenen vier Wänden mit dem WLAN verbunden. Perspektivisch werden es ja sicher noch mehr, die Zukunft ist kabellos – ob Kaffeemaschine, Saugroboter oder Futterautomat. Da macht es durchaus Sinn, im Haus für eine optimale WLAN-Leistung zu sorgen. Schließlich möchte man ja in jedem Raum und jeder Ecke tolle Übertragungsdaten haben. Nicht selten ist es ja so, dass der DSL-Anschluss irgendwo in der Ecke des Wohnzimmers liegt, der Rechner beispielsweise aber in einem ganz anderen Raum – womöglich sogar in einer anderen Etage steht. Klar könnte man jetzt mit WLAN-Repeatern arbeiten und das Netzwerk erweitern. Nur schneller wird es dadurch nicht, eher schlechter. Repeater können ja quasi nur die Hälfte dessen weitergeben, was bei ihnen an Leistung ankommt. Für größere Wohnungen und verwinkelte Räume eignen sich eher sogenannte Mesh-Systeme. Hier werden mehrere Geräte zu einem flächendeckenden Netzwerk verbunden, die miteinander kommunizieren und jeweils ein eigenes WLAN-Signal erzeugen.

Mit unserer Fritzbox 7580 und der 1750E haben wir ja bereits ein solchen System installiert – mit dem Unterschied, dass es sich bei den Fritz!-Geräten um kein echtes Mesh handelt. AVM hatte seine aktuellen Router lediglich mit einem Software-Update versehen und eine solche Mesh-Funktion implementiert.

Alternative zu Apples Airport

Mit dem Velop von Linksys haben wir nun aber Hardware da, die genau für diese Mesh-Netzwerke konzipiert ist. Interessanterweise empfiehlt Apple jetzt sogar genau dieses System, nachdem man die eigenen Airport- und Time Capsule-Geräte diese Woche offiziell für obsolet erklärt hat.

Wir haben uns für das Dreier-Set entschieden, es gibt das Velop-System auch im Zweierpack oder als einzelnes Gerät. Da unser HQ sehr in die Länge gezogen und verwinkelt ist und sich der Telefonanschluss quasi genau in der vom Arbeitsplatz entlegensten Ecke befindet, stellen wir die drei Quader in relativ gleichen Abständen zueinander auf. Einer direkt im Wohnzimmer, einer kommt in den Flur und ein Gerät wird direkt im Arbeitszimmer platziert. Dazwischen einige Wände, Türen oder Möbelstücke.

Optisch sehen die Nodes, wie sie bei Linksys genannt werden sehr schlicht und chic aus. Die mattweißen Säulen sind etwa 18,5 cm hoch und an den Seiten keine 8 cm tief und breit. Erinnern ein wenig an das One World Trade Center – nur kleiner. Auf der Oberseite sowie den rückseitig zugewandten Flächen sind die Nodes mit einem Lochraster zur Belüftung versehen. Eine dezente, LED auf der Oberseite dient zur Statusangabe der jeweiligen Station. Auf der Unterseite befinden sich etwas vertieft im Gehäuse jeweils zwei Gigabit-Ethernet-Ports sowie der Anschluss fürs Netzteil. Die Kabel laufen auf der Rückseite aus einer leicht abgeschrägten Ecke hinaus. Vernünftig platziert sieht man die Strippen so also kaum. Wirkt insgesamt sehr unauffällig dieses Velop-System, was selbst auf dem Sideboard als Deko-Objekt durchgehen könnte.

Was aber etwas unangenehm auffällt, sind die etwas überdimensionierten Netzteile. Sie sind fast breiter als die Nodes selbst, bereitet vor allem dann Probleme, wenn man sie an einer Mehrfachsteckdose anschließen möchte. Da wird die benachbarte Steckdose gleich so ungünstig abgedeckt, dass dort kein weiterer Stecker hinein passt. Unverständlich, wenn es heutzutage doch auch technisch mit Sicherheit kompakter geht.

Einrichtung per App

Zur Einrichtung der Nodes wird zu aller Überraschung eine App benötigt. Ist man als technikaffiner Nerd Setups eher über den Rechner gewöhnt, wird man hier also erst einmal stutzig. Auch besteht bei Linksys ein Kontozwang. Ohne Angabe von Email-Adresse geht es nicht weiter. Da kann jeder seine eigene Meinung zu haben. Aber wo hat man heute nicht seine Daten freiwillig abgegeben?

Hat man die App gestartet und sich also registriert, wird man Schritt für Schritt durch die Konfiguration geleitet, an sich alles irgendwie easy, klappt per iPhone oder Android-Smartphone ganz gut. Da die Verbindung zum Node über Low Energy Bluetooth aufgebaut wird, sollte das Smartphone allerdings nicht all zu weit weg sein. Der erste Node wird an den Router geklemmt und nach kurzer Warm-Up-Phase mit violett blinkender LED gleich von der App erkannt. Ab hier wird die LED blau und man kann direkt ein eigenes WLAN-Netz einrichten, einen Namen dafür vergeben und einstellen, welche Verschlüsselungsmethode genutzt werden soll. Zudem kann man der Node noch einen Raum zuweisen, so weiß man gleich, wo man suchen soll, falls etwas nicht funktionieren sollte. So läuft das WLAN dann schon mal nach wenigen Augenblicken – und überraschenderweise ist die Signalstärke auch bei nur einem einzigen Node auch in der letzten Ecke schon ziemlich weit oben.

Das alles kann natürlich auch über nen Webbrowser eingerichtet und konfiguriert werden, sieht aber 1. nicht sehr zeitgemäß aus und 2. ist das per Smartphone einfach simpler.

Weil aber nu ein Mesh – also ein Netz aus mehreren Geräten – aufgebaut werden soll, werden die anderen beiden Nodes nun auch nacheinander in die App eingebunden. Hier erweist sich das System dann doch als etwas – wir nennen es mal – unkooperativ. Beim Versuch den zweiten Node zu erkennen, bekommen wir des öfteren eine Meldung, dass der aktuelle Standort nicht ideal ist oder der Haupt-Node zu weit weg ist. Da hilft nur Umpositionieren und von vorne beginnen. Das Hinzufügen dauert hier schon mal etwas länger, da sich die Säulen während der Einrichtung aufeinander abstimmen. Sind die Nodes optimal aufgestellt, sucht das System noch mal nach Firmware-Updates und installiert diese gegebenenfalls. Auch hier wieder selbes Problem: Ist eine Node etwas zu weit entfernt, wird das Update auf der Haupt-Node installiert, die beiden anderen aber außen vor gelassen. Etwas Zeit raubend und nervig ist das alles schon. Für unser Mesh-System mit 3 Nodes waren wir gut 2 Stunden beschäftigt.

Deutlicher Geschwindigkeitsgewinn

Ist aber erstmal alles eingerichtet, läuft das Netz schön stabil und vor allem schnell. Am Haupt-Node im Wohnzimmer sind Übertragungsraten von über 200 MBit/s kein Problem. Und im Arbeitszimmer, wo wir vorher schon mit 140 MBit/s mehr als zufrieden waren, können auch noch locker ein paar Bits mehr herausgeholt werden. Das gute daran ist ja, dass – egal wo man sich in der Wohnung, Balkon oder Terrasse aufhält – das Signal kaum schwächelt. So macht arbeiten und surfen echt Spaß.

Die Velop-Nodes funken dabei im Tri-Band über zwei 5GHz- sowie eine 2,4GHz-Frequenz und decken mit 802.11ac alle aktuellen Standards ab.

Die komplette Konfiguration und den Überblick über sein Mesh-System bekommt man auch direkt über die App geliefert. So kann man neben einem Gastzugang, Gerätepriorisierung und Kindersicherungen erweiterte Einstellungen wie Portweiterleitungen einrichten oder das System in den Bridge-Modus für ein bestehendes Netzwerk setzen. Selbst ein Speedtest ist mit in der App inbegriffen – dieser misst aber lediglich die Geschwindigkeit, die am Haupt-Node aus dem Router bzw. Modem kommt. Die Funktionsvielfalt ist aber zweifelsohne gegeben. Gerade die Gerätepriorisierung hat es uns angetan. Da kann man das Macbook direkt an die erste Stelle packen und läuft keine Gefahr mehr im Schneckentempo zu surfen, wenn Internetradio, PS4 und Netflix gerade gleichzeitig Daten saugen. Und alle Alexa-Fans dürfen sich auch freuen, das Velop-System ist natürlich kompatibel. So kann beispielsweise das Gastnetzwerk per Sprachbefehl eingeschaltet werden.

So weit, so gut, aber auch Linksys Velop ist nicht perfekt. Zwar ist die Geschwindigkeit irre, aber das System zeigt uns ab und zu an, dass ein Node offline ist. Dabei leuchten alle LEDs blauer als blau – also online. Laut Support soll die nicht aktuelle Firmware Schuld sein. Gerät resetten und neu aufsetzen, sagte man uns… Wir werden das weiter im Auge behalten. Auch bei Amazon kursieren einige User, die mit Kinderkrankheiten zu kämpfen haben. Eigentlich schade, denn an sich hat das Velop System echt viel Potenzial.

Mit einem Preis von derzeit etwa 365 Euro für das Dreierset liegt das Linksys Velop im unteren Durchschnitt. Netgears Orbi ist deutlich teurer und für Fritz!Box-Lösungen mit Router und Repeater zahlt man auch nicht weniger.

Vor allem der Gewinn an WLAN-Abdeckung und die irre Geschwindigkeit machen die Velops definitiv zu einer sehr guten Alternative, wenn man etwas Aufwand bei der Einrichtung in Kauf nimmt.

Linksys Velop Mesh-System
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Fazit
Irre schnelles WLAN ist kein Märchen. Auch in der letzten Ecke haben wir mit dem Velop super Empfang. Kleiner Haken: die Einrichtung fordert einige Nerven.

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