MacBook Pro 2017 – Ein Erfahrungsbericht

Ja, da liegt es nun, das neue MacBook Pro. 1,83 kg fein poliertes Alu in spacegrau. Sicher wären wir mit unserem 2013er Modell noch etwas ausgekommen, schließlich sagt man den Rechnern mit dem Apfel eine relativ lange Halbwertszeit nach. Aber an einigen Ecken hakte es unserer Meinung nach schon. Sei es nun die abnehmende Akkuleistung oder die mittlerweile in die Jahre gekommene und langsam an ihre Grenzen stoßende Grafikkarte.

Mit dem aktuellen Modell sind nun einige Neuerungen dazu gekommen, an die wir uns erstmal gewöhnen müssen. Technisch ist überall schon Vieles geschrieben worden, ob jetzt 23% mehr Leistung oder wasweissichwieviele Stunden mehr Akkulaufzeit. Aber wie verhält es sich im täglichen Einsatz? Wir geben unseren Senf mal dazu und sagen euch, wie sich das 2017er MacBook Pro im Alltag schlägt.

Rein optisch hat sich beim aktuellem MacBook Pro im Vergleich zum Vorgängermodell von 2016 so gut wie nichts getan. Es waren eher Verbesserungen unter der Haube, die Apple vorgenommen hat. So werkelt nun ein aktueller Kaby-Lake-Prozessor mit mindestens 2,8 GHz im Inneren des MBPs, zudem ist an der Performance der Grafikkarte und des Flash-Speichers gearbeitet worden.

Das Standard-Modell mit Touch Bar gibt es mit 256 GB SSD und 16 GB Speicher. Wer vorher einen Mac mit mechanischer Festplatte und Speicherkapazitäten von 500 GB bis 1 TB hatte, wird sicher überlegen, ob das nicht arg wenig ist. Diese Befürchtungen hatten wir auch. Aber wenn man sich seine Daten einmal genauer anschaut, merkt man doch, was man über die Jahre alles angesammelt hat. Eine ordentliche und aufgeräumte Struktur und ein NAS-Laufwerk im Arbeitszimmer lösen die anfänglichen Befürchtungen locker auf. Auf dem MacBook wird schließlich gearbeitet und nicht gehortet.

Spacegrau oder silber?

Da wir nun von besagtem 2013er MacBook kommen, ist der optische Eindruck doch schon deutlicher sichtbar. In erster Linie fällt das dunklere spacegrau mit dem silbernen Apple-Logo auf. Ja, es leuchtet nicht mehr. Vorbei die Zeit, dass man bei Starbucks gesessen hat und aus 150 Metern Entfernung am leuchtenden Rücken des MacBooks erkannt worden ist. Aber gut, so wichtig war das auch nicht und mittlerweile sitzt man eher im CoWorking-Space und dort mit zig weiteren Mac Usern. Interessanter Sidefact: während das spacegrau bei mir als männlicher Teil von stuffblog super ankommt, hätte der weibliche Part lieber silber genommen…
Auch ist die Form des Unibody-Gehäuses deutlich abgerundeter und vor allem ein gutes Stück dünner. Allein das Display ist so dünn, dass man Angst haben muss, dass es sich bei unsachgemäßer Behandlung verzieht. Aber, wer uns kennt, weiß, dass wir immer vorsichtig und achtsam mit unserer Hardware umgehen.

Klappt man das MacBook Pro auf, fällt sofort das überdimensional große Force-Touch-Trackpad auf. Von der unteren Kante bis zum Keyboard bietet das Trackpad aus Glas eine Fläche von 16×10 cm. Da passen gleich beide Hände drauf. Ganz praktisch, wenn man sich ohne Maus an Bildbearbeitung oder ähnliches traut. Hier kann man doch schon genauer arbeiten als mit dem vergleichsweise kleinen Trackpad des alten Modells.

Über versehentliche Mausbewegungen wird man sich beim Tippen nicht ärgern müssen, obwohl die Hände bedingt durch die immense Größe des Trackpads zwangsläufig darauf liegen. Das Pad ist so intelligent, dass es automatisch erkennt, ob die Handfläche aufliegt. Unerwünschte Gesten werden so clever ignoriert.

Ähnlich wie bei den Touch ID-Buttons der neueren iPhones und iPads wird das Touchpad nicht mehr mechanisch betrieben. Klickt man auf die riesige Glasfläche, wird mit einem integrierten Motor ein haptisches Feedback gegeben und so ein Gefühl eines Klicks vermittelt. Schaltet man das MacBook aus, ist auch diese Technik deaktiviert und die Glasfläche nicht mehr “klickbar”.

Touch Bar – Nützlicher als man denkt

Ist das MacBook an – und das wird es beim Aufklappen garantiert sein – springt einem gleich die Touch Bar ins Auge. Hier scheiden sich bislang die Geister. Der eine findet sie sexy, der andere sagt, es sein unnötige Spielerei. Wir sind uns da noch nicht ganz schlüssig, bei der Kaufentscheidung hat man aber immerhin klar Stellung bezogen: wenn schon ein neues MacBook, dann definitiv mit Touch Bar.

Die grundlegenden Einstellungen, die bisher auf den Funktionstasten hinterlegt waren, sind sofort ersichtlich. Lautstärke, Helligkeit des Displays und Keyboards auf der rechten Seite der Touch Bar lassen sich umstandslos einstellen. Auf der linken Seite wechseln dann die Anzeigen je nach App. Arbeitet man so wie wir gerade mit iA Writer, werden beispielsweise Optionen für Überschriften, Listen oder Textformatierungen angezeigt. Anders bei Photoshop, dort erscheinen dann Werkzeuge wie Farbauswahl, Ebneneigenschaften oder die Pinselauswahl. Jede App anders. Im Grunde lassen sich diese Punkte auch übers Menü aufrufen, was wir bei der Arbeit mit Maus und Keyboard zu 75% tun. Nutzt man allerdings keine weiteren Eingabegeräte sind die Belegungen auf der Touch Bar schon nützlich und erleichtern so manche Arbeit.

Einziger Nachteil: wenn man jahrelang mit Apple arbeitet, nutzt man auch sehr häufig Tasten-Combos mit der command-Taste, den meisten auch als Apfel- oder Blumenkohl-Taste bekannt. Dabei liegt der Daumen so gut wie immer in Schlagweite zur besagten Taste, mit dem Effekt, dass Mittel- oder Ringfinger unbeabsichtigt mit der Escape-Taste auf der Touch Bar in Berührung kommt. So ist es schon mehrere Male passiert, dass Dialogfesnster, Kontextmenü oder das Dashboard trotz Klick geschlossen worden sind. Erst nach geraumer Zeit stellte sich heraus, dass es an der Escape-Taste lag, die Dauerkontakt mit dem Mittelfinger hatte.

Touch ID statt Kennworteingabe

Die nächste Neuerung wird allen, die ein aktuelleres iPhone besitzen bekannt vorkommen. Mit Touch ID lässt sich das MacBook nämlich genauso elegant entsperren, wie das iOS-Device. Der Sensor liegt ganz unscheinbar am rechten Rand der Touch Bar und ersetzt mal eben so auch die ständige Kennwort-Eingabe bei Programm-Instsllationen oder bei Käufen im App-Store. Auch lassen sich Drittanbieter-Apps wie beispielsweise MoneyMoney völlig stressfrei entsperren.

Um die Sicherheit muss man sich dabei keine Sorgen machen. Wie auch bei iPhone und iPad werden die gescannten Fingerabdrücke ausschließlich in der Secure Enclave des zugehörigen Chips gesichert. Dort auch nicht als Abbild des Fingerabdrucks sondern in Form von mathematischen Darstellungen verschlüsselt. Weder das Betriebssystem noch darauf installierte Programme haben direkten Zugriff auf die Fingerabdruck-Daten. Die Daten werden ebenso nicht auf Servern von Apple gespeichert und es wird kein Backup dieser Daten auf iCloud oder an anderen Orten angelegt.

Mit leichtem Druck auf den Touch ID Sensor merkt man auch dort ein leichtes Klick-Feedback. Der Sensor dient bei längerem Drücken ebenfalls dazu, den Mac im Falle eines Einfrierens aus- und wieder einzuschalten. Wir müssen gestehen, dass wir diese Funktion googeln mussten, da sich die Migration vom alten System nicht ganz easy hat durchführen lassen. Da es keine offensichtliche On/Off-Taste gibt, liegt die Funktion aber sicher nahe. Und wie bereits weiter oben angedeutet, muss man den Mac auch nicht mehr von Hand einschalten. Klappt man das Display auf, fährt das MacBook Pro eigenständig hoch.

Verbessertes Keyboard

Seit 2015 verbaut Apple Keyboards mit dem Schmetterlings-Mechanismus. Währen die erste Generation noch mit Problemen zu kämpfen hatte und vielerorts mit hakenden und festhängenden Tasten für lange Gesichter gesorgt hatte, ist die Tastatur der zweiten Generation deutlich zuverlässiger. Die einzelnen Tasten sitzen relativ tief im Gehäuse und sind sehr fest. Im Gegensatz zum alten 2013er MacBook hat man hier ein vollkommen anderes Tippgefühl, die Tasten geben irgendwie viel härter nach. Zudem hat man das Gefühl, die Finger aufgrund der extrem flachen Tasten beim Tippen weniger hoch heben zu müssen. Auch wenn es sich vielleicht nur um wenige Mikrometer handelt, kommt die Schreibarbeit einem etwas angenehmer vor. Schwierig zu beschreiben, man muss es einfach mal ausprobiert haben. Hat man aber einige Texte abgetippt, gewöhnt man sich schnell daran, jede andere Tastatur kommt einem danach flatterig vor.

So ein ähnliches Gefühl hatten wir zuletzt beim Umstieg von der Spiegelreflexkamera zur Olympus Systemkamera. Das Feeling beim Auslösen kommt ganz anders rüber und fühlt sich einfach wertiger und massiver an. Aber das nur so am Rande.

Noch besseres Retina-Display

Ok, unser 2013er MacBook Pro war das erste mit Retina-Display. Wir sind also schon verwöhnt. Mit dem neuen MacBook Pro setzt Apple dennoch einen drauf. Das aktuelle Display weist eine viel bessere Helligkeit und einen knackigeren Kontrast auf. Selbst in hell erleuchteten Räumen oder bei Gegenlicht erkennt man deutlich mehr als vorher. Mit dem P3-Farbraum, welches vorwiegend in der US-Filmindustrie genutzt wird, bietet das Display zudem etwa ein viertel mehr Farbtöne als der Standard-RGB-Modus, erfordert dort allerdings auch entsprechendes Quellmaterial.

Einer unserer Hauptgründe für den Modellwechsel war auch die Leistung der Grafikkarte. Während die GeForce Pro 750M langsam aber sicher an ihre Grenzen gestoßen ist und spätestens bei Benutzung des externen Monitors in Dauerbelüftung geschaltet wurde, haben wir mit der aktuellen AMD Radeon Pro 560 erst mal Ruhe. Selbst der Anschluss eines 4k-Monitors bereitet dem neuen MBP keine Probleme.

Wir nutzen den Mac häufig für kreative Arbeiten mit Adobe CC und hatten unser altes MBP per Thunderbolt am 34 Zoll Ultrawide-Monitor angeschlossen. Selbst bei kleinsten Aktionen in Photoshop ging der Lüfter hoch, als gäbe es kein Morgen mehr. Bei längeren Arbeiten ein echt unangenehmer Zustand. Das neue 2017er MacBook Pro dreht bei rechenintensiven Prozessen zwar auch zwischenzeitlich hoch, aber nicht in diesem Maße und vor allem in einer ganz anderen, weitaus erträglicheren Lautstärke.

Streitthema USB-C

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Mit der kompakten Bauweise müssen an bestimmten Stellen Abstriche gemacht werden. In diesem Falle betrifft es die Anschlüsse des MacBook Pros. Waren beim 2013er noch USB- und Thunderbolt-Ports vorhanden, sowie ein Slot für die SD-Karte, bleiben beim aktuellen Modell “nur” noch 4 USB-C Anschlüsse und eine Kopfhörer-Buchse. Keine Frage, Apple denkt schon einige Schritte voraus. Externe Festplatte? Braucht man nicht, liegt alles in der Cloud. SD-Karte? Jede vernünftige Kamera überträgt Daten per WiFi. Drucker? Natürlich AirPrint kompatibel. Wozu also alles mit dem MacBook verkabeln? Es ist doch immer noch ein mobiler Computer und da sind die Prioritäten ganz anders gesetzt als beispielsweise bei einem iMac.
Trotzdem gibt es das eine oder andere Gadget, was nun mal nach USB oder einem kabelgebundenen Anschluss verlangt. 100 Fotos im RAW-Modus aufs MacBook zu übertragen, dauert per WLAN einfach zu lange. Ebensoviele Videos auf eine externe Festplatte zu verschieben auch.

Da das MacBook Pro bei uns also einen kompletten Desktop-Mac ersetzt und wir möglichst stressfrei arbeiten möchten, haben wir uns das Thunderbolt 3 Dock von Elgato auf den Schreibtisch gestellt. Dort hängt ein USB-C 4k Monitor von LG dran, zusätzlich ein USB-Hub und eine Backup-Festplatte sowie Lautsprecher. Zudem lässt sich das MacBook Pro dort direkt über das Dock laden. So kann man das Netzteil getrost im Rucksack lassen und auf dem Schreibtisch herrscht kein Kabelchaos mehr.

Insgesamt ist der Schritt vom 2013er auf das 2017er MacBook Pro für uns schon riesig aber logisch. Angefangen von der deutlich besseren Performance, den zusätzlichen Funktionen dank Touch Bar und Touch ID sowie der tollen Akkulaufzeit bringt uns das neue Modell schon viele Vorteile. Dennoch muss man einiges an Mehrkosten einplanen, falls man auf externe Geräte wie Kartenleser, Hubs oder Festplatten angewiesen ist. Behält man das im Auge, hat man mit dem 2017er MacBook Pro ein ordentliches Arbeitstier, was mit Sicherheit die nächsten 4 Jahre hält. Besitzer eines MacBooks von 2015 oder 2016 werden sich überlegen müssen, ob es ihnen der Aufpreis wert ist, auf Apples aktuelles Topmodell umzusteigen.

Das 15 Zoll MacBook Pro mit Touch Bar fängt bei Apple mit 2799 € an, es gibt aber genügend Händler, bei denen die aktuellen Modelle günstiger zu haben sind. Eine kleine Auswahl für das Standard-Modell mit 2,8 GHz Prozessor und 256 GB SSD-Speicher findet ihr unter der Bildergalerie.

MacBook Pro 2017
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Good Stuff
Fazit
Unser Arbeitstier in neuem Gewand. Schneller, leichter, cooler und mit Touch ID und Touch Bar noch besser. Kleiner Haken, mit USB-C muss man mit Mehrausgaben rechnen.
Gibt es hier

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Klar, ich stimme zu.