Kein Upgrade-Artikel, so viel vorweg. Die X-T30 II hatte ich zwischenzeitlich verkauft, und danach ging die Geschichte erstmal in eine ganz andere Richtung.
Egal wie klein Systemkameras mittlerweile geworden sind – sobald ein Objektiv dran ist, wird mir das schnell zu groß und unhandlich. Passt in keine kompakte Tasche mehr, die diesen Namen verdient. Und ich habe einfach keine Lust mehr, für ein paar Fotos ständig mit Rucksack durch die Gegend zu laufen. Also erstmal nur noch iPhone. Weniger Gewicht, weniger Nachdenken, einfach drauf halten – und eine Weile hat das auch wirklich gut funktioniert, bis mir zwei Dinge gefehlt haben: echte Tiefenschärfe und die Filmrezepte. Beides Sachen, die man erst vermisst, wenn sie weg sind.
Zwischendurch hatte ich wieder mit MFT geliebäugelt, gerade weil die OM-5 Mark II frisch vorgestellt wurde – Wetterfestigkeit, eingebauter ND-Filter, ordentlicher Stabi, alles da, was man sich für unterwegs wünscht. Ich hatte die Kamera sogar schon in den Händen. Aber irgendwie hat mich das System diesmal nicht mehr abgeholt, so gut die Argumente auf dem Papier auch klangen. Beim genaueren Hinschauen war das vor allem alter Wein in neuen Schläuchen: Technisch hat sich kaum etwas getan, außer einem USB-C-Anschluss und neuer Software – unter der Haube steckt eine Kamera, die im Kern fünf Jahre alt ist. Zum Glück war ich einfach schon zu tief in einer anderen Vorstellung: die Kamera muss in einen Hipbag passen. Fertig, keine Diskussion.
Kurz stand deshalb auch die X-M5 zur Debatte – kompakt, leicht, genau das, was ich eigentlich wollte. Nur: ohne Sucher fühlt sich Fotografieren für mich einfach falsch an, aufs Display gucken ist nicht dasselbe wie durchgucken, eigene Erfahrung, mehrfach gemacht.
Und dann, wie’s der Zufall will, die Ankündigung: X-T30 III, dazu ein neues Pancake-Objektiv, das 23mm f/2.8 R WR. Sucher, Kompaktheit, Filmrezepte – auf einen Schlag gelöst. Bestellt.
Die Kamera selbst – schnell erklärt
Die Vorgängerin, die X-T30 II, hatte ich hier ja bereits ausführlich vorgestellt vor einer Weile, deswegen fass ich mich hier kurz. Wer draufschaut, sieht praktisch dieselbe Kamera: gleicher 26,1-Megapixel-X-Trans-Sensor, gleiches Gehäuse, gleicher Sucher. Fujifilm hat nicht neu erfunden, sondern nachgeschärft. Unter der Haube steckt jetzt der X-Prozessor 5, wie er schon aus der X-S20 bekannt ist – und der macht sich vor allem beim Autofokus und bei der Serienbildrate bemerkbar. Dazu kommt ein eigenes Einstellrad für die Filmsimulationsmodi auf der Oberseite, mit dem sich eigene Look-Rezepte direkt abrufen lassen, plus deutlich mehr Video-Power – bis zu 6,2K/30p, wo die alte X-T30 II bei 4K aufgehört hat.

Klingt nach Papierform-Upgrade, war für mich aber vor allem aus einem anderen Grund relevant: Ich musste mich nicht neu einarbeiten. Das Menü kannte ich noch, die Belegung der Q-Taste sitzt bei mir mittlerweile im Rückenmark – kein Suchen, kein Ausprobieren, einfach loslegen. Und auch ein praktischer Punkt, der in keinem Datenblatt steht: die Fujifilm-App für die Bildübertragung läuft stabil. Wer schon mal mit einer Kamera-App gekämpft hat, die alle drei Verbindungen abbricht, weiß, warum mir das wichtiger war als jedes zusätzliche Megapixel.

Das Objektiv: 23 Millimeter, die man kaum spürt
Als ich das XF 23mm f/2.8 R WR das erste Mal auf die Kamera geschraubt habe, war das Erste, was mir aufgefallen ist: wie wenig davon überhaupt da ist. 90 Gramm, 23 Millimeter Baulänge – kürzer als der Name selbst lang ist, wenn man so will. Zusammen mit der X-T30 III passt das Ganze tatsächlich in den Hipbag, ohne dass irgendwo eine Ecke absteht oder der Reißverschluss klemmt. Genau das war ja der Punkt.
Was mich dabei überrascht hat: Trotz der Pancake-Bauweise fühlt sich das Ding nicht nach Spielzeug an. Die Einstellringe sind aus Metall, es sitzt fest auf dem Bajonett, und die Wetterdichtung macht bei Nieselregen keinen Rückzieher. Ein Pancake, das nicht nach Kompromiss aussieht, sondern nach einer bewussten Entscheidung.
Im Alltag ist das Objektiv seitdem quasi permanent drauf. Für Street-Fotografie und die Wege, die ich sowieso gehe – zur Arbeit, durch die Stadt, mal eben zwischendurch – ist die Kombi genau das, was ich mir erhofft hatte: klein genug, um sie nicht als Last wahrzunehmen, aber präsent genug, um sie griffbereit zu haben, wenn ein Motiv vorbeiläuft. Keine große Kameratasche mehr, kein Objektivwechsel-Theater. Einfach mitnehmen.

Warum überhaupt eine Festbrennweite?
Die ehrliche Antwort: weil sie das liefert, was mir bei Zooms oft fehlt. Schärfe und Lichtstärke sind bei einer Festbrennweite fast immer im Vorteil gegenüber einem Zoom in ähnlicher Preis- und Größenklasse, weil das Objektiv nur für eine einzige Brennweite optimiert werden muss statt für einen ganzen Bereich. Das merkt man dem 23mm auch an – die Bilder sind schon bei Offenblende knackig scharf, bis in die Ecken, ohne dass ich groß abblenden muss. Kein Verzeichnen, keine weichen Kanten, die man erst wegrechnen muss. Der Kompromiss ist der klassische: kein Zoomen mehr mit dem Ring, sondern mit den Füßen. Für mich kein Nachteil, eher eine andere Art zu fotografieren – ich überlege mir den Ausschnitt vorher, statt ihn nachträglich reinzuzoomen.
Ganz ohne Schwäche kommt das Objektiv aber nicht aus. f/2.8 ist ordentlich, aber eben kein Lichtriese – bei schlechtem Licht oder in der Dämmerung merkt man das schneller, als einem lieb ist, und man landet dann doch bei höheren ISO-Werten, als man wollte. Wer viel bei Kunstlicht oder nachts unterwegs ist, wird hier an seine Grenzen stoßen. Für meinen Alltag – tagsüber, Street, spontane Motive – ist das ein Kompromiss, mit dem ich gut leben kann. Für alle, die regelmäßig nach Sonnenuntergang fotografieren, wäre das 23mm f/1.4 oder f/2 die bessere, aber eben auch deutlich größere Wahl.

Ein paar Details, die man erst merkt, wenn man länger damit fotografiert
Ein Makro ist das 23mm nicht, aber näher als gedacht kommt man trotzdem ran – die offizielle Naheinstellgrenze liegt bei 20 Zentimetern, in der Praxis geht sogar noch etwas weniger. Für Essen, Produktfotos oder kleine Details am Wegesrand reicht das locker, ganz ohne Makro-Vorsatz.
Beim Bokeh hätte ich bei einer Pancake-Konstruktion mit eher mäßiger Lichtstärke ehrlich gesagt nicht viel erwartet – wurde aber positiv überrascht. Die 11 Blendenlamellen sorgen für eine schön runde Blendenöffnung, und der Hintergrund löst sich weicher auf, als man es einem f/2.8-Objektiv zutrauen würde. Kein Bokeh-Monster, aber auch keine unruhige Zwiebelringe-Optik.

Und dann ist da noch die Verarbeitung, die für mich eigentlich der eigentliche Pluspunkt ist: Metallfassung, spürbar gedämpfter Blendenring mit sauberen Drittel-Klicks, dazu die volle Wetterdichtung – staub-, spritzwassergeschützt und laut Fujifilm bis -10 Grad einsatzbereit. Bei einem 90-Gramm-Pancake hätte ich das nicht erwartet, aber genau das macht das Objektiv zum ehrlichen Immer-dabei-Begleiter statt zum Schönwetter-Gimmick.

Fazit
Kein Kamera-Test im klassischen Sinn, eher die Geschichte einer Entscheidung, die sich über Umwege doch wieder für Fujifilm entschieden hat. Die X-T30 III bringt mich zurück zu einem System, das ich schon kannte – ohne Einarbeitungszeit, ohne Frust. Und das 23mm f/2.8 R WR macht genau das möglich, was mir beim iPhone gefehlt hat und bei der X-M5 am Sucher gescheitert ist: eine Kamera, die klein genug ist, um sie einfach immer dabei zu haben.
Ein paar Aufnahmen aus den letzten Monaten
Statt noch mehr Worte, hier ein paar Beispiele, was mit der X-T30 III und dem 23mm f/2.8 R WR seit dem Frühling so entstanden ist – quer durch Street, Architektur, Details und die üblichen Streifzüge.





























