Der Sommer geht zu Ende. Die Tage werden kürzer, und ab 19 Uhr ist es draußen schon wieder Taschenlampenwetter. Die meisten Leute nervt das. Mich freut’s. Eine Taschenlampe im Sommer zu testen bringt nämlich nichts – ungefähr so sinnvoll wie ein Regenschirmtest bei Sonnenschein. Man merkt einfach nichts. Aber jetzt, wo es ab dem frühen Abend richtig dunkel wird, kann ich endlich zeigen, was die beiden Fenix-Lampen draufhaben.
Angefangen hat das Ganze mit einem simplen Problem: Mir fehlte eine ordentliche Taschenlampe für Wanderungen und Radtouren. Für die Momente, in denen es schneller dunkel wird, als der Ausflug geplant war, und man trotzdem sicher nach Hause kommen will. Fenix kenne ich schon seit Jahren, also hab ich dort einfach mal nach einem Testmuster gefragt. Die Antwort kam freundlich und schnell: Ich bekam das BOGO-Set empfohlen und kostenlos zugeschickt. Damit stand fest – ich teste nicht eine, sondern gleich zwei Lampen unter echten Bedingungen.

Die Idee hinter dem Set: groß und klein zusammen
Fenix verkauft die PD36R Pro und die E03R V2.0 nicht zufällig zusammen. Es ist ein BOGO-Bundle, buy one get one free – die kleine E03R gibt’s quasi gratis obendrauf (link: Fenix Online Shop). Genau das macht den Preis-Leistungssieger-Gedanken erst wirklich rund: Man zahlt eigentlich nur für die große Lampe. Die PD36R Pro ist die „Ich will’s richtig hell haben“-Lampe für die Hosentasche oder den Gürtel. Die E03R V2.0 dagegen ist der kleine, fast unsichtbare Begleiter am Schlüsselbund, den man dabei hat, ohne ihn überhaupt als eigenes Gadget wahrzunehmen. Aus der EDC-Welt kenne ich das Prinzip zur Genüge: ein großes Werkzeug für den Ernstfall, ein kleines für jeden Tag. Ob das in der Praxis wirklich so glatt aufgeht, oder ob am Ende doch nur eine der beiden Lampen benutzt wird – genau das soll der Praxistest zeigen.
Fenix PD36R Pro: der Preis-Leistungssieger
Auf dem Papier liest sich die PD36R Pro schon mal beeindruckend. 2.800 Lumen. 380 Meter Leuchtweite. Angetrieben wird sie von einem mitgelieferten 21700er-Akku mit 5.000 mAh, geladen ganz normal per USB-C. Die Luminus-SFT70-LED soll bis zu 50.000 Betriebsstunden mitmachen. Das schaff ich in einem Menschenleben ohnehin nicht – aber gut zu wissen, dass die Lampe mich überleben dürfte.
Praktisch fällt vor allem der doppelte Heckschalter auf. Einer aktiviert sofort das Stroboskop. Der andere übernimmt die eigentliche Modus- und Helligkeitssteuerung. Das Detail stammt eher aus dem taktischen Bereich, für den solche Lampen ursprünglich gebaut werden – im Alltag zwischen Hundespaziergang und Kellerregal fühlt sich das erstmal fremd an. Das Gehäuse ist eloxiertes Aluminium. Wasser und Staub machen ihr laut IP68-Zertifizierung nichts aus, und einen Sturz aus einem Meter Höhe soll sie auch überstehen. Dabei bleibt sie kompakt: 145,8 mm lang, 169 Gramm mit Akku – überraschend leicht für das, was sie an Leistung verspricht.
Fenix gibt für die PD36R Pro gleich sechs Helligkeitsstufen nach ANSI/PLATO-FL1-Standard an, gemessen mit dem mitgelieferten ARB-L21-5000-V2.0-Akku:
| Modus | Lumen | Laufzeit | Leuchtweite | Lichtstärke |
|---|---|---|---|---|
| Turbo | 2.800 lm | 3 h 30 min* | 380 m | 36.600 cd |
| High | 1.000 lm | 3 h 55 min | 225 m | 12.800 cd |
| Medium | 350 lm | 8 h 15 min | 130 m | 4.300 cd |
| Low | 150 lm | 19 h | 90 m | 1.900 cd |
| Eco | 30 lm | 42 h | 40 m | 400 cd |
| Strobe | 2.500 lm | – | – | – |
*Der Turbo-Wert ist ein kumulierter Laufzeitwert – die Lampe drosselt aus thermischen Gründen nach kurzer Zeit automatisch runter, läuft danach aber in reduzierter Helligkeit weiter.
Im Karton liegen neben der Lampe: der Akku, ein USB-C-Ladekabel, das Holster, eine Trageschlaufe, ein Ersatz-O-Ring, die Anleitung und die Garantiekarte. Für die Preisklasse ist das ordentlich bestückt.

Die Gürteltasche sitzt dabei angenehm stramm – die Lampe steckt richtig fest drin und fällt nicht bei jeder Bewegung halb raus, wie man das von günstigeren Holstern manchmal kennt.
Zur Bedienung: Der vordere Schalter, Fenix nennt ihn „Tactical Switch“, ist der klassische Ein/Aus-Taster. Kurz antippen schaltet ein und gleich wieder aus. Drückt man ihn ganz durch, bleibt die Lampe an. Der hintere Schalter, der „Functional Switch“, übernimmt die Feinsteuerung. Hält man ihn aus dem ausgeschalteten Zustand eine halbe Sekunde gedrückt, springt sofort das Stroboskop an. Ein einzelner Klick schaltet stattdessen ganz normal ein. Ist die Lampe an, wandert jeder weitere Klick eine Stufe weiter – Turbo, High, Med, Low, Eco, und dann wieder von vorn.

Zum Handling: Mit 145,8 mm Länge und 169 Gramm spürt man die PD36R Pro in der Hand. Zu schwer wird sie dadurch aber nicht, sie liegt gut in der Handfläche. Der Hauptschalter am Kopf ist gummiert und lässt sich bequem mit dem Daumen bedienen. Ein Druck, und sie schaltet in den zuletzt gewählten Modus. Der zweite, kleinere Schalter am Heck braucht dagegen die zweite Hand. Hält man die Lampe wie eine ganz normale Taschenlampe, Faust oben, Daumen nach hinten, kommt man mit dieser Hand kaum an den Modusschalter, ohne sich die Finger zu verknoten. Jeder Druck schaltet eine Stufe höher. Nach der höchsten geht’s zurück zur schwächsten.
Erster Praxistest im Wald: Der Testlauf war gegen 22 Uhr. Kaum noch Hunderunden unterwegs, stockdunkel, kein bisschen Restlicht. Schon auf der ersten Stufe erkennt man den Weg gut genug. Schaltet man weiter hoch, zeigt sich erst die eigentliche Stärke der Lampe. Bis zum Ende des Wegs war alles sichtbar. Der Lichtkegel wirft einen riesigen Kreis. Gefühlt sieht man 50 bis 80 Meter weit.



Auf den Fotos sieht der Unterschied zwischen schwächster und stärkster Stufe kleiner aus, als er sich vor Ort angefühlt hat. In echt war der Unterschied deutlich krasser, als es die Bilder zeigen. Ein Detail sieht man aber trotzdem: In der schwächeren Stufe reicht der erkennbare Weg etwa 10 Meter. Das Laub am Rand wirkt dabei schon ziemlich blass und ausgewaschen. In der stärkeren Stufe dagegen: alles satt grün, und das Licht dringt sichtbar viel tiefer in den Wald.
(Kleine Randnotiz in eigener Sache: Ordentliche Vergleichsfotos von Taschenlampen im Dunkeln hinzubekommen, ist schwieriger als gedacht – das iPhone hellt bei schlechten Lichtverhältnissen munter selbst mit auf, egal wie sehr man das eigentlich nicht will. Und einfach nochmal ausprobieren ist auch nicht immer drin: für den Wald brauchts wieder eine Dunkelheits-Session, und im eigenen Garten mit einer 2.800-Lumen-Lampe herumzuleuchten, sorgt vermutlich eher für einen Anruf der Nachbarn bei der Polizei als für gute Testbilder.)
Ein Punkt, den man vorher wissen sollte: Zum Laden braucht’s ein externes Netzteil mit mindestens 5V/3A. Das liegt nicht bei. Wer schon einen ordentlichen USB-C-Lader zuhause hat, den juckt das nicht. Aber kurz nachschauen lohnt sich, bevor die Lampe abends leer bleibt.

Die IP68-Zertifizierung musste sich übrigens nicht extra beweisen – in Hamburg reicht es, die Lampe einfach mit rauszunehmen. Ein paar Regenschauer später war sie klatschnass und lief trotzdem ohne jede Aussetzer weiter. Kein Labortest, aber ein ziemlich realistischer.
Test im Keller: Auch hier alle Stufen durchgeschaltet, und anders als beim Wald-Vergleich auf den Fotos merkt man den Unterschied zwischen den Helligkeitsstufen live richtig krass. Für normale Arbeiten am Fahrrad reicht dabei schon die niedrigste oder zweite Stufe völlig aus – Turbo bräuchte man im engen Kellerraum eigentlich gar nicht.





Fenix E03R V2.0: 30 Gramm Alltagslicht
Winzig ist bei dieser Lampe wörtlich zu nehmen. 52,5 x 26 x 13 mm, 30 Gramm mit Akku – kleiner als die meisten Schlüsselanhänger, die eh schon am Bund hängen. Vorne sitzen zwei weiße LEDs nebeneinander, dazu eine rote. Ein einzelner Taster übernimmt alles, mit eingebauter Statusanzeige: grün heißt voller Akku, rot heißt er lädt gerade. Hält man den Taster 3 Sekunden gedrückt, lässt sich die Lampe verriegeln, damit sie in der Tasche nicht aus Versehen angeht.

Die technischen Eckdaten laut Verpackung: maximal 500 Lumen, bis zu 90 Meter Leuchtweite, ein eingebauter 400-mAh-Akku. Geladen wird über USB-C direkt an der Lampe, kein separates Kabel nötig, einfach andocken. Im Set liegt außerdem ein kleiner Schlüsselring bei, dazu die Kurzanleitung.
Die vier Helligkeitsstufen laut Anleitung: Eco (5 Lumen), Low (30 Lumen), Med (150 Lumen) und High (500 Lumen) – ein deutlich größerer Sprung zwischen den Stufen, als man bei so einer kleinen Lampe erwarten würde.
Zur Bedienung: Gedrückt halten für eine halbe Sekunde schaltet das weiße Licht ein und aus. Einzelne Klicks wechseln dann durch die Stufen: Eco, Low, Med, High. Fürs Rotlicht hält man 1,2 Sekunden gedrückt. Weitere Klicks wechseln zwischen Dauerlicht und Blinken. Ist die Lampe aus und entriegelt, aktiviert ein Doppelklick den „Breathing Light“-Modus – rot und grün pulsierend, praktisch als dezente Positionsmarkierung im Dunkeln. Drei Sekunden gedrückt halten bei ausgeschalteter Lampe sperrt oder entsperrt den Schalter, gegen versehentliches Einschalten in der Tasche. Der Ladezustand zeigt sich direkt an der Schalter-LED: Grün heißt voll. Blinkt sie grün, ist noch genug da. Rot heißt schwach, und blinkt sie rot, wird’s kritisch.

(Und ja, auf dem Foto zum Rotlicht liegen Handschuhe und Sprühdosen im Hintergrund rum – sieht verdächtig nach nächtlicher Geheimmission aus. War aber nur fürs Bild arrangiert, versprochen.)
Was bei diesen Schlüsselbund-Lampen aber unabhängig von der Lumenzahl zählt: Trägt man sie wirklich, oder landet sie nach zwei Wochen in der Schublade? Das ist die eigentliche Testfrage bei einer E03R V2.0. Nicht die Helligkeit, sondern ob sie leicht genug ist, um sie nicht bewusst wegzulassen.
Erster Praxistest im Wald: Im schwächsten Modus, Eco, 5 Lumen, bleibt vom Lichtkegel im Grunde nur ein schwacher, diffuser Fleck direkt vor den Füßen übrig. Gerade genug, um nicht komplett blind zu stolpern, aber weit entfernt von einer echten Wegausleuchtung. Im stärksten Modus, High, 500 Lumen, ändert sich das Bild deutlich. Der Strahl reicht sichtbar über mehrere Meter den Weg hinunter, wirft einen klar erkennbaren, warm-hellen Kegel und macht Bäume und Vegetation am Wegrand erkennbar. Für eine Lampe dieser Größe ein überraschend großer Sprung zwischen den Extremen. Und ein guter Beleg dafür, dass die Eco-Stufe eher als Notlicht taugt, während High den Weg im Dunkeln tatsächlich zeigt.


Zum Handling: Die Lampe ist wirklich winzig, und dank Eintastenbedienung kann man im Grunde nichts falsch machen – man muss nur wissen, wie. Der Knopf lässt sich mit dem Daumen problemlos ertasten, auch im Dunkeln, und alle Helligkeitsstufen schaltet man ebenfalls mit dem Daumen durch. Lange drücken schaltet die Lampe ein, danach macht jeder weitere Klick den nächsten Modus stärker. Anfangs ist das noch etwas ungewohnt, man tastet sich sozusagen selbst durch die Logik. Blinken und Rotlicht lassen sich ebenfalls aktivieren – wie genau, hab ich ehrlich gesagt noch nicht ganz durchschaut. Das kam bei mir eher durch zufälliges Klicken oder längeres Gedrückthalten zustande. Die offizielle Bedienlogik dazu steht weiter oben, aber intuitiv erschließt sie sich beim ersten Ausprobieren nicht sofort.
Im hellsten Modus ist der Akku ziemlich schnell leer – das ist bei dieser Größe auch kein Wunder. Für den gelegentlichen Gebrauch, also mal eben abends vor die Tür oder die unbeleuchtete Abstellkammer ausleuchten, reicht aber schon die zweite Stufe (Low, 30 Lumen) völlig aus. Ansonsten: superleicht, superklein – genau das, was man von einem Schlüsselbund-Begleiter erwartet.
Vorläufiges Fazit
Für den ganz normalen Alltag reicht mir die kleine E03R V2.0 vollkommen. Ans Schlüsselband geklippt, immer dabei. Selbst das Rotlicht ist kein Gimmick – zum Beispiel beim nächtlichen Fotografieren ist es richtig praktisch. Man blendet sich damit nicht selbst und sieht trotzdem genug, um die Kamera zu bedienen.
Die PD36R Pro spielt dagegen in einer ganz anderen Liga. Muss man nachts noch das Zelt aufbauen? Perfekt dafür. Geht man im Wald auf Fledermaussuche? Auch dafür. Ist man mit dem Boot unterwegs, oder läuft mal durch eine Tropfsteinhöhle? Genau ihr Terrain. Für den ganz normalen Alltag ist sie dagegen ehrlich gesagt too much. Diese Helligkeit braucht eigentlich niemand, der nur zur Haustür oder zum Auto laufen will. Aufgefallen ist mir außerdem: Im Turbo-Modus wird das Gehäuse nach einer Weile spürbar warm. Das sollte man wissen, bevor man sie lange auf voller Leistung laufen lässt.

Trotzdem: Wenn bei uns der Rucksack für eine mehrtägige Hikingtour gepackt wird, kommt die Fenix PD36R Pro mit. Kein Wenn und Aber. Für genau solche Einsätze – abgelegen, dunkel, im Zweifel kritisch – ist sie ihr Geld wert. Im Alltag bleibt sie meistens in der Schublade. Da übernimmt die kleine E03R den Job.

FENIX PD40R V3.0 LED Taktische Taschenlampe, Ultrahelle Mechanische Drehdimmbare Taschenlampe, 3000 Lumen, 500 Meter Große Reichweite, SOS Notfall, Strobe-Funktion
Auf Amazon ansehen →


